Personenbezogene Daten: Das Erdöl des 21. Jahrhunderts

Die Digitalisierung

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Erste Phase

Die erste Phase der Digitalisierung beginnt mit dem Übergang von der analogen in die digitale Welt mit der Digitalisierung von analogen Informationen wie beispielsweise Papiere, Dokumente etc.
Diese Phase folgt auf die Entwicklung des Internets und des “Zeitalters des Zugangs“, sodass sie schon fast hinter uns liegt, da die meisten öffentlichen und privaten Unternehmen sie bereits überwunden haben.

Nehmen wir “Pôle Emploi“ als Beispiel, das nunmehr ein breites Online-Angebot anbietet, sei es für Personaler oder Bewerber – dieses schließt sogar die erste Anmeldephase mit ein.

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Zweite Phase

Die zweite Phase der Digitalisierung beeinflusst die Unternehmen und die Vereinigungen in drastischerer Weise und wird konkret als “Digitalisierung“ bezeichnet (Victor und Babaci-Victor, 2017). Diese Phase folgt vielleicht dem Konzept der Zerstörung, wie es Schumpeter (1934) beschreibt, auch wenn der schöpferische Anteil noch nachzuweisen bleibt.

Bereiche wie Technologie, Finanzen, Gesundheit, Industrie, Kundenservice, öffentliche Dienste oder das Gastgewerbe profitieren von diesem Wandel oder sind davon bedroht und müssen sich in diesem Fall sehr schnell anpassen.

Diese Veränderungen ergeben sich aus :
• Die Einführung neuer Technologien in Verbindung mit :
   → Künstliche Intelligenz (z. B. intelligente Roboter)
   → Big Data (z. B. vorausschauendes Verbraucherverhalten)
   → Internet der Dinge (z. B. internetfähige Geräte wie Uhren, Fernseher, Kameras, Videoüberwachung und Kühlschränke, die sich ohne menschliches Zutun miteinander vernetzen).
• Neue Nutzungsformen: MOOCs (Bildung)
• Neue Geschäftsmodelle, die sich auf den Nutzer/Verbraucher konzentrieren (z. B. Uber)

Das Internet der Dinge (IoT)

Das IoT stattet alle mit Sensoren ausgestatteten Produkte aus, die verschieden Parameter erfassen, wie beispielsweise: Druck-, Temperatur, Vibrations-, Orientierungs- und Kontaktmessgeräte, Kompasse, Gyroskope, Beschleunigungssensoren, Herzfrequenzmesser.

Das Internet der Dinge misst und überwacht permanent die Parameter der Geräte oder der betroffenen Personen (z.B. Fitbit). Die Daten oder Parameter der Geräte sind entweder auf diesem selbst gespeichert und/ oder werden zu einem (mit Dienstleistungen beauftragten) Dienstleister weitergeleitet.

Das IoT deckt zwei Hauptmärkte ab:
→ IoT für Unternehmen in Zusammenhang mit industriellen Gerätschaften (Unternehmen, die Teil der Industrie 4.0 sind)
→ IoT für Konsumenten

Big data

“Big Data” ermöglicht, eine erschöpfende Menge von durch ein Unternehmen (durch Werkzeuge zum Kundenbeziehungsmanagement, Kommentare in den sozialen Medien, Umfrageresultate, Aktionshistorie im Extranet …) und sein Ökosystem von Partnern gesammelten Informationen zu verarbeiten (analysieren, zusammenführen, verknüpfen, Schlussfolgerungen aus ihnen ziehen), um daraus Signaturen und Tendenzen abzuleiten, die dazu dienen,
• die Konversionsquote für (potentielle) Kunden zu erhöhen
• Kundenprofile zu erstellen
• das zukünftige Verhalten der Kunden auf Firmenniveau und auf individuellem Niveau (Endbenutzer/ Angestellte) vorherzusagen
• fein skalierte Bestimmungen vorzunehmen, Risiken zu minimieren (Versicherungen, Banken), die mit den Individuen verbunden sind.

“Big Data entspricht einer Gruppe von Algorithmen, wie beispielsweise dem Framework Hadoop, das den „Datensee“ (data lake) analysiert, um daraus Voraussagen in Bezug auf Verhaltensweisen abzuleiten.”

Industrie 4.0

Eine neue industrielle Revolution (die 4. industrielle Revolution) hat begonnen und stützt sich auf die künstliche Intelligenz und die Digitalisierung.

Einige Beispiele sind intelligente Roboter und autonomes Fahren. Diese Entwicklung betrifft auch Online-Banking. Tatsächlich wird bald eine Matrix von durch das Internet aktivierten Sensoren es ermöglichen, die Fabriken mit den Kunden und den Lieferanten zu verbinden.

„Daraus folgt eine umfassende Integration von Informationssystemen (IS) innerhalb des Ökosystems der Partner/ Auftragsverarbeiter, ebenso wie die Integration der Versorgungskette zwischen einem Automobilhersteller und seinen Zulieferern.“

Nutzungsbasierte Abrechnung

Eine andere Tendenz, die die aktuellen Geschäftsmodelle charakterisiert, entspricht dem Übergang von produktorientierten zu dienstleistungsorientierten Geschäftsmodellen. Diese Entwicklung hat schon einige Zeit vor der Digitalisierung begonnen. Die Unternehmen haben aufgehört, Produkte zu verkaufen und verkaufen nun anstelle dieser Dienstleistungen nach einem Ansatz von Preisregelung durch den Nutzer und nutzungsbasierter Abrechnung.
Diese Veränderung wurde durch die Digitalisierung begünstigt, da der Verkauft von Dienstleistungen anstelle von Produkten es erfordert, sich eher auf den Kunden als auf das Produkt zu konzentrieren und zusätzlich ein sehr genaues und detailliertes Wissen über das Verhalten des Kunden. Die Profilerstellung ist ein Teil der DNA des Ansatzes der „Preisregelung durch den Nutzer/ nutzungsbasierten Abrechnung“.

Diese Veränderung hat den Unternehmen (Kunden) erlaubt, vom Modus CAPEX (Investitionsausgaben) in den Modus OPEX (Nutzungsausgaben) zu wechseln, was folgende Konsequenzen mit sich bringt:
• Das Niveau der Initial-Investitionen hat sich merklich verringert
• Die Kosten werden durch das Jahresmodell der nutzungsbasierten Abrechnung, das die reale Nutzung der Dienstleistung auswertet, gedeckt
• Die Entscheider (und auf Ebene der Entscheidungen) unterscheiden zwischen verschieden Ausgabentypen, also Investitionen (OPEX) und Funktionskosten (OPEX)
• Die Entscheidungen in Bezug auf die OPEX-Kosten werden auf organisatorischer Ebene (und nicht auf strategischer Ebene) getroffen
• Die OPEX-Entscheidungen werden auf hierarchisch niedrigerer Ebene getroffen als die zu CAPEX-Investitionen

 

 

Einige Beispiele, um diesen Ansatz im B2B-Sektor (Business to Business) zu illustrieren:
• Die Luftfahrtindustrie
○ Verträge nach Flugstunden (Boeing) ermöglichen es den Fluggesellschaften, Funktionen (Flugstunden) und nicht Ersatzteile zu kaufen.
• Die Softwareindustrie verkauft seine Produkte und seine Infrastruktur entweder über:
○ Saas (Software als Dienstleistung),
○ PaaS (Plattform als Dienstleistung),
○ IaaS (Infrastruktur als Dienstleistung).

Im B2C (Business to consumer) betreffen die Beispiele:
• die Telekommunikationsindustrie, die Monatsabonnements (Flatrates) für Mobilfunkdienste für Endbenutzer verkauft,
• die Automobilvertragshändler, die monatliche Mietverträge verkaufen (Langzeitmiete oder Leasing),
• Banken, die monatliche Pakete „all-inclusive“ (inklusive der Jahresgebühr für die Kreditkarte) verkaufen.

Sharing economy

Die Sharing Economy (B2C) ermöglicht den Individuen zugleich als Produzent der Dienstleistung und als Konsument zu agieren. Die Produzenten und die Konsumenten treffen sich virtuell auf einer Internetplattform, auf der die Transaktion stattfindet. Nimmt man die verschiedenen Geschäftsmodelle (z.B. Sharing, Verleih, Leasing etc.) , die es gibt , dann entspricht die Plattform (und somit der ausführende Dienstleister) dem Ort, an der die virtuelle Transaktion stattfindet.

Einige bekannte Beispiele für Sharing Economy sind:
• Carsharing: Blablacar
• Autovermietung: Drivy
• Alternative zum Taxi: Uber
• Vermietung von Ferienwohnungen: Airbnb
• Teilen/ Vermieten/ Verkaufen von Produkten unter Konsumenten: Leboncoin/ E-loue


Alle oben genannten Unternehmen konzentrieren sich auf die Dienstleistung und nicht auf das Produkt. Ein auf den Nutzer zentrierter Ansatz erfordert eine Annährung basierend auf der Profilerstellung, die es erlaubt, Daten zu sammeln, zu analysieren und davon ausgehend das Verhalten des Kunden vorauszusagen. Diese Geschäftsmodelle erfordern die Verarbeitung von personenbezogenen Daten in großem Maßstab.

Personenbezogene Daten: Der Motor, der die Digitalisierung am Laufen hält

Zusammenhang mit einer identifizierten oder identifizierbaren physischen Person (betroffene Person) stehen. Die vorigen Abschnitte, die die Digitalisierung und den Übergang zu dienstleistungsorientierten Geschäftsmodellen beschreiben, haben gezeigt, dass die neuen Geschäftsmodelle die Unternehmen verpflichten, Daten in großem Maßstab zu sammeln und zu verarbeiten (analysieren, zusammenführen, sie zu verbinden, zu modifizieren etc.), um Dienstleistungen anzubieten und/ oder die Ausführung anzupassen.

Personenbezogene Daten und deren Vertraulichkeit sind daher ein zentraler Punkt bei der Digitalisierung und dem Übergang von produktorientierten zu dienstleistungsorientierten Geschäftsmodellen. Dies erklärt größtenteils, warum die Europäische Union eine Gesetzgebung im Zusammenhang mit der DSGVO erlassen hat.